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Wie Mehr Demokratie mit senze.ai demokratische Kultur messbar macht

Fallstudie von Paula Wicht 6. Juli 2026

Mehr Demokratie e. V. ist der größte überparteiliche Verein für direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung in Deutschland. Ziel des Vereins ist es, die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger an politischen Entscheidungen zu stärken – unter anderem durch Volksentscheide, Bürgerräte und mehr Transparenz. Gleichzeitig setzt sich der Verein für die Weiterentwicklung einer lebendigen demokratischen Kultur ein und möchte gesellschaftlicher Polarisierung mit mehr Dialog, Verständnis und Verbundenheit begegnen.

Vor diesem Hintergrund hat Mehr Demokratie e. V. das Dialogformat Sprechen & Zuhören entwickelt. Es schafft Räume für respektvolle Gespräche und fördert den konstruktiven Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven.

Menschen sitzen im Kreis und hören einander bei einem Sprechen & Zuhören Dialog zu
Impression aus einem Sprechen & Zuhören Dialog. Bild zur Verfügung gestellt von Mehr Demokratie e.V.

Auf drei Ebenen verstehen, was beim Zuhören passiert

Gemeinsam mit senze.ai möchte Mehr Demokratie e. V. besser verstehen, was in dem Gesprächsformat Sprechen & Zuhören tatsächlich geschieht. Dazu soll das diskursive Feld der Gespräche systematisch kartografiert und aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht werden.

Die Analyse erfolgt auf drei Ebenen, die jeweils in einem eigenen Projekt bearbeitet werden:

Projekt 1 · Was erleben die Sprechen & Zuhören Moderator:innen?

Startschuss — In dem ersten gemeinsamen Projekt wurden Sprechen & Zuhören Moderator:innen mittels einer senze.ai Umfrage befragt. Die Ergebnisse der Befragung fließen in die Gestaltung der fortlaufenden Fortbildungsangebote ein.

Mehr Demokratie e. V. hat schon mehr als 1.400 Bürger:innen im Dialogformat Sprechen & Zuhören fortgebildet. Als professionelle oder ehrenamtliche Moderator:innen tragen sie das Format weiter und organisieren und führen Sprechen & Zuhören Veranstaltungen in fast allen Bundesländern durch. Diese aktive Community of Practice wurde befragt, was sie in ihrer Rolle erleben und welchen Herausforderungen sie in der Organisation und Durchführung des Formats vor Ort erleben. Die Ergebnisse der senze.ai Umfrage lieferten Mehr Demokratie e. V. wertvolle Hinweise, wie die fortlaufenden Unterstützungsangebote für die Community weiterentwickelt und verbessert werden können.

Projekt 2 · Was erleben die Teilnehmenden bei Sprechen & Zuhören?

Digitalisierung — 491 Antworten von Dialogteilnehmenden aus verschiedenen Bundesländern lagen auf Papier vor und konnten in dieser Menge nicht manuell ausgewertet werden. Die Antwortbögen wurden digitalisiert und mit senze.ai ausgewertet.

„… die Auswertung war ja früher eigentlich unmöglich – Tausende von Interviews oder Dutzende oder Hunderte, weil du halt immer codieren und auswerten musstest. Das war total anstrengend. Jetzt mit KI ist das anders.“

— Roman Huber, Geschäftsführender Bundesvorstand

Teilnehmende der Sprechen & Zuhören Dialoge hatten im Nachgang Fragebögen auf Papier ausgefüllt. Rund 500 Freitextantworten auf vier Fragen wurden in das Tool von senze.ai gespeist. Die Antworten wurden anonymisiert, paraphrasiert und erst dann ausgewertet – um die Identität der Teilnehmer:innen zu schützen. So ließen sich die vielen Einzelstimmen zu wiederkehrenden Themen und Spannungsfeldern clustern, ohne die Tiefe der persönlichen Schilderungen zu verlieren.

Projekt 3 · Live-Analyse der Dialoge

Pilotprojekt — senze.ai und Mehr Demokratie e.V. evaluieren in der Tiefe, was in den Gesprächsrunden von Sprechen & Zuhören passiert und ob das Format die erhoffte Wirkung entfaltet.

Bei Sprechen & Zuhören kommen Menschen in Kleingruppen zusammen, um über eine gemeinsame Frage zu sprechen. Die Hypothese von Mehr Demokratie e.V. ist, dass sich Polarisierung abbaut und Verbindung entsteht, wenn Menschen auf einer tiefen, mitunter verletzlichen Ebene zuhören.

  • Menschen sprechen in Gruppen à 4 Personen zu einer Frage (z. B. „Wie geht es dir mit Heimat?“)
  • Jede Person spricht gleich lang: 4 Minuten.
  • Es wird nacheinander gesprochen, ohne Unterbrechungen.
  • Jede Person spricht dreimal, d. h. es gibt 3 Gesprächsrunden.

Wie verändern sich Haltung, Wertung und Thema über die drei Gesprächsrunden? senze.ai wird hier in das Live-Gespräch mitgenommen, um diese Veränderung zu kartografieren.

„… ich denke, das muss unbedingt gemacht werden, einfach damit wir wirklich was in der Hand haben und besser verstehen: Wie verändern sich die Diskurse in den drei Gesprächsrunden? Passiert hier Perspektivwechsel und Vertiefung?“

— Judith Strasser, Co-Leitung Demokratische Kultur

Die Umsetzung ist bewusst niedrigschwellig: Eine Person pro Gruppe legt ihr Handy in die Mitte und ruft einen Link auf, über den die Gesprächsrunde aufgezeichnet wird. Aus den Aufnahmen entstehen anschließend anonymisierte und paraphrasierte Transkripte, die nach Sentiment, Spannungsfeldern und inhaltlicher Annäherung ausgewertet werden.

Die Absicht von Mehr Demokratie e.V.: prüfen, ob das Format zu mehr Verbundenheit und weniger Polarisierung führt.