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ISB KI-Forum: Eine Live-Analyse mit 108 Organisationsentwickler:innen

Fallstudie von Paula Wicht & Matthias Richter 9. Juni 2026

Am KI-Forum des isb Institut für systemische Organisationsberatung zeigten wir Organisationsentwickler:innen, wie sich unser Umfrage-Tool in Präsenz und in Gruppenprozessen einsetzen lässt. Dafür hatten wir 15 Minuten auf der Bühne und anschließend eine 30-minütige Break-out-Session, um die wichtigsten Themen und Spannungsfelder sichtbar zu machen.

Ausgangslage

~200 im Publikum
15min Keynote
3 Freitextfragen

Das isb KI-Forum gab uns 15 Minuten Zeit, um unserem Publikum zu zeigen, wie das KI-Tool von senze.ai Mitarbeiterbefragungen verändert. Im Raum saß ein Fachpublikum von rund 200 Organisationsentwickler:innen. Die zentrale Frage im Raum: Was steckt eigentlich hinter so einer Analyse — und wie kann ich sie als Organisationsentwickler:in nutzen?

Vorgehen

108 Teilnehmende
5min am Handy
4 Hypothesen aus dem Plenum

Die Arbeit mit dem Tool bestand aus zwei Teilen.

Teil I – Keynote (15 Min)

Wir starteten mit einer kurzen Vorstellung und sammelten dann gleich zu Beginn über die App die Perspektiven ein: Jede:r hatte 5 Minuten, um drei Fragen am Handy zu beantworten:

  • Wo siehst du das größte Potenzial von KI in der Organisationsentwicklung?
  • Was sind deine größten Sorgen?
  • Was erlebst du gerade selbst mit KI?

Die übrigen 10 Minuten stellten wir unsere Vision für KI in der Organisationsentwicklung vor — als unterstützendes Wahrnehmungsorgan für kollektive Zustände und Strömungen. Im Hintergrund wurden in der Zeit schon die Antworten ausgewertet.

Teil II – Gruppenprozess

In einer kleineren Gruppe ging es weiter – jede:r durfte kommen. Unser Tool kann zweierlei: Antworten analysieren und daraus Schlüsselthemen, Spannungsfelder und Pain Points ableiten. Man kann aber auch eigene Hypothesen aufstellen und per Chatbot herausfinden, ob sie sich in den Antworten zeigen. Während die KI die rund 32.000 Zeichen Freitext auswertete, sammelten wir im Raum Hypothesen:

Hypothese 1
„KI erleichtert die Arbeit in großen Gruppen“
Hypothese 2
„Präsenzcoaching wird reduziert, weniger Beratungsleistung“
Hypothese 3
„Große Polarisierung zwischen Potenzial und Gefahr von KI“
Hypothese 4
„Menschen gehen weniger zum Therapeuten“

Alle vier waren plausibel – aber bestätigten die Daten sie auch, und wie stark? Per Screen-Sharing gingen wir die Ergebnisse durch und fragten den Chatbot, wie sehr jede Hypothese getragen wurde.

Erkenntnisse

32.000 Zeichen Freitext
< 6min Auswertung
5 Analyselinsen
Zur Erinnerung — dieselben vier Hypothesen aus dem Plenum. Jetzt halten wir sie gegen die Daten: Wie stark trägt jede?
Übersicht, zu welchem Grad die vier Vorannahmen von den Antworten getragen werden
Zu welchem Grad tragen die Antworten die vier Vorannahmen?
Hypothese„Präsenzcoaching“

Zoomen wir in die Hypothese „Präsenzcoaching wird reduziert, weniger Beratungsleistung“. Eine Filterfrage zu Beginn trennte „tech“ und „nicht-tech“ – und hier zeigte sich ein signifikanter Unterschied. Gegenüber den anderen Sorgen überwog jedoch eine andere: die Veränderung der eigenen kognitiven Denkleistung.

Analyse der Hypothese zu reduzierter Coaching- und Beratungsleistung, aufgeschlüsselt nach beruflichem Hintergrund
Hypothese „Präsenzcoaching wird reduziert“ – aufgeschlüsselt nach „tech“ und „nicht-tech“.
Hypothese„Polarisierung“

Die Hypothese „Große Polarisierung zwischen Potenzial und Gefahr von KI“ prüften wir am Sentiment, d.h. welche Emotion in der Aussage liegt (positiv/konstruktiv, neutral, negativ/kritisch). Das Sentiment je Frage zeichnete ein klares Bild: Die Antworten auf Frage 1 („Wo siehst du das größte Potenzial von KI in der Organisationsentwicklung?“) trugen etwa hälftig positive bzw. neutrale Emotion. Die Frage nach den Sorgen („Was sind deine größten Sorgen?“) war durchgehend von kritischer Emotion geprägt. Die letzte Frage („Was erlebst du gerade selbst mit KI – was verändert sich wirklich?“) war in etwa ausgewogen (je rund ein Drittel neutrale, negative und positive Konnotation).

Der untere Teil der Grafik spannte die Antworten zwischen Verunsicherung und Ermächtigung durch KI auf. Die Tendenzen waren deutlich – doch es gab nicht zwei Lager: 52 % der Befragten zeigten beide Pole zugleich, Ermächtigung (z.B. neue Tools) und Verunsicherung (z.B. nicht mitzukommen). Kollektive Ambivalenz statt Lagerbildung.

Sentiment je Frage und das Spannungsfeld zwischen Verunsicherung und Ermächtigung
Oben Sentiment je Frage, unten das Spannungsfeld Verunsicherung ↔ Ermächtigung (F3).

„Die Analyse überprüft die eigene Wahrnehmung und bringt Muster ans Licht. Was sie bedeuten und welche Handlung daraus folgt, entscheiden die Menschen — also Human in the Loop.“

Wirkung

Das macht ein neues Setting möglich: in 45 Minuten Daten erheben, Hypothesen validieren und gemeinsam in Austausch gehen. Übrigens: Auch in diesem Workshop hörten wir immer wieder die Frage, wo die Daten gehostet werden und woher wir die LLMs beziehen. Die Antwort: alle Daten verschlüsselt in Frankfurt gehostet, und als Modell nutzen wir Claude — mit Inferenz ausschließlich innerhalb der EU.